Wohin nach dem Hotel Mama?

Auch wenn es schwerfällt, die Komfortzone zu verlassen – irgendwann ist es bei jedem soweit: Das “Hotel Mama” passt nicht mehr mit der eigenen Lebensplanung zusammen. Sei es, weil Schule, Uni, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz einfach zu weit entfernt sind, sei es, weil es mit der Zeit doch nervt, ständig gut gemeinte Ratschläge hören zu müssen, sei es, weil man daheim doch nicht immer genau dann laut Musik hören kann, wann man will… Irgendwann ist die Zeit reif, eigene Wege einzuschlagen. Aber wie den ersten Schritt machen?

Wer den großen Schritt ins selbstbestimmte Leben machen möchte, sollte zuerst seine – vermutlich eh noch frischen – Mathematikkenntnisse hervorkramen und einen soliden Kassasturz durchziehen. Verhandlungen mit der elterlichen Finanz- und Förderabteilung sind ebenso angesagt wie die Recherche zu möglichen Unterstützungen der öffentlichen Hand wie Wohnbeihilfe und anderes (hier gibt es je nach Bundesland große Unterschiede). Das alles genau zu erheben, macht sich bezahlt. Denn von dem, was monatlich an Geld verfügbar ist, hängt ja auch ab, wohin man sich orientieren kann.

Wohngemeinschaft

Sie ist wohl der Klassiker unter den Startwohnungen: Ein Zimmer in einer Wohnung, die man sich mit anderen teilt, ist meist der günstigste Einstieg. Allerdings sind freie Zimmer gerade in Städten mit Universitäten und Hochschulen unter dem Jahr gar nicht so leicht zu finden und schlagen mitunter auch kräftig zu Buche. Je besser gelegen, desto teurer. Und ganz frei ist man darin auch nicht: Man muss sich schon recht gut mit den Mitbewohnern verstehen, vor allem, was Reinlichkeit und Rücksichtnahme betrifft. Das sind häufige Konfliktfelder, die eine dicke Haut, Diskussionsbereitschaft, Ausdauer und vor allem eine große Portion Toleranz verlangen. Aber kein Nachteil ohne Vorteil: Wenn die Stimmung passt, wird man sicher viel Spaß haben bei nächtlichen Gesprächen über Weltverbesserungstheorien und spontanen Partys. Und nicht selten werden die WG-Genossen zu langjährigen, wenn nicht sogar zu lebenslangen Freunden.

Mieten statt teilen

Finanziell eine andere Liga ist es, sich eine eigene Wohnung zu mieten – das erste eigene Reich, bei dem einem im Alltag niemand dreinredet. Das verlangt allerdings schon einiges an Budget, gilt es ja nicht bloß, die monatliche Miete aufzubringen, sondern auch die notwendige Kaution, die meiste drei Monatsmieten beträgt. Dazu kommen dann noch die Kosten für die Einrichtung – angefangen beim Geschirr und den Töpfen über das Mobiliar bis hin zu Kleinigkeiten wie Vorhängen und Garderobenständer. Allerdings: So ganz ohne Interventionen von “Oben” lebt es sich aber auch in Mietwohnungen nicht immer. Bestimmte Veränderungen in der Wohnung müssen mit den Vermietern abgeklärt werden, und bei notwendigen Reparaturen lassen die sich manchmal mehr Zeit als eigentlich ist.

Genossenschaftswohnung, Gemeindewohnung

Wer die Möglichkeit hat, eine Genossenschafts- oder Gemeindewohnung zu ergattern, fährt meistens günstiger. Genossenschaftswohnungen werden von gemeinnützigen Bauvereinigungen errichtet, die nicht gewinnorientiert wirtschaften. Daher sind die Mieten geringer, Provision und Kaution entfallen, ebenso wie die Befristung der Mietverträge, allerdings sind auch Finanzierungsbeiträge fällig, die erst nach dem Ausziehen wieder – wenn auch abgewertet – zurückgezahlt werden. Grundsätzlich bieten auch Gemeindewohnungen preisliche Vorteile, das Ausmaß hängt aber von der jeweiligen Gemeinde ab.

Papierkram

Eines haben jedoch aller Varianten gemeinsam: Das Ausziehen aus dem Hotel Mama bringt viel an bürokratischem Aufwand mit sich. Mietanbot, Mietvertrag, Ummeldung des Wohnsitzes und so weiter können Ungeübten einiges an Aufwand abverlangen. Notwendig ist der Papierkram – auch zur eigenen Absicherung. Daher unbedingt vorsichtig sein, wenn es um Nebenabsprachen geht, etwa während der Wohnungsbesichtigung. Was zählt, ist das, was niedergeschrieben ist. Dazu gehört auch ein Übernahmeprotokoll, in dem der Zustand der Wohnung – und am besten auch des WG-Zimmers – genau dokumentiert ist und Schäden vermerkt sind. Denn sonst blüht beim Ausziehen möglicherweise eine böse Überraschung. Bei all diesen Dingen ist wichtig: Vor der Unterschrift genau lesen und nachdenken, sich nicht drängen lassen und eventuell Fachleute beiziehen.

Zum Schluss noch eine Klarstellung zum Dauerbrenner unter den Diskussionen über Mietwohnungen, der auch gut fürs Pub-Quiz taugt: Wer aus einer Mietwohnung auszieht, muss – sofern nicht ausdrücklich etwas anderes im Vertrag steht – nur dann Ausmalen, wenn er die Wände über die normale Abnützung hinaus beansprucht oder selbst eine vom Üblichen radikal abweichende Farbe aufgebracht hat.

 


 

Michael SamecMichael Samec – Blogger & Texter

Wer gemütlich wohnen möchte, hat immer etwas zu tun. Neue Ideen umsetzen, Bestehendes verbessern, Altes modernisieren und für manch Alltägliches eine coole Lösung finden, vielleicht auch mit Hilfe der aktuellsten technischen Entwicklungen. Wem es ums Energie sparen geht oder auch nur um Komfort, der hat immer etwas zu tun.

Ich kann selbst zu Hause kaum Ruhe geben und tüftle ständig über Veränderungen. Die Ergebnisse meiner Überlegungen teile ich hier gerne mit Ihnen – als Hilfe oder auch nur als Inspiration.

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