Upcycling: Ein Zuhause aus Abfall

Ein besonders nachhaltiges Konzept in Sachen Bauen und Wohnen, das ganz unter dem Motto “vom Abfall zum Glücksfall” steht, ist das Upcycling.

Ein Trend, der beim Bauen und Handwerken in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das sogenannte Upcycling. Dabei werden alte Gegenstände aufgewertet und in abgewandelter Form weiterhin genutzt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Rohstoffe werden vor einer oftmals umweltbelastenden Entsorgung gerettet – und müssen nicht neu hergestellt werden.

Am besten eignen sich fürs Upcycling beim Hausbau sogenannte „Ready-Made“ Elemente. Also Bauteile die man 1:1 wieder hernehmen kann. Die einfachsten und naheliegendsten Beispiele sind Fenster, Türen, Holzdielen, ganze Stiegen aus Holz oder Metall, alte Küchenherde. Und so wird aus Abfall ein Glücksfall.

Author's imageJohannes MuenschArchitekt und Upcycling-Studio-Gründer

Ein Zuhause aus alten Gegenständen

Der Architekt und Upcycling-Studios-Gründer Johannes Muensch gilt hier als der Pionier und Experte. Er hat es sich nämlich zum Ziel gemacht, nachhaltige Projekte zu realisieren, die auch ästhetisch keine Wünsche offen lassen. Das Motto lautet “vom Abfall zum Glücksfall” und die Möglichkeiten sind grenzenlos – denn alles, was gefällt, kann upgecycelt (was für ein schönes Wort) werden. Von der alten Trockenhaube aus dem Friseurstudio, die zu einer Stehlampe umfunktioniert wird, bis hin zu Zeitungsstapeln, die als Hocker Verwendung finden.

„Weitermachen, ohne den Wert zu mindern“

Aber was genau kann man sich beim Bau eines Eigenheims nun unter dem Begriff Upcycling vorstellen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, ist Muenschs Herzensprojekt genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Pionier hat sich im Tiroler Absam ein 400 Jahre altes Bauernhaus gekauft, das er nun schon seit vier Jahren upcycelt und neu gestaltet. Die bisherigen Highlights: Eine zweite Ebene aus dem Holz einer Festival-Bühne mit 60 Ösen und insgesamt 800 Metern Seil. Alles upgecycelt, versteht sich – immerhin möchte Muensch mit dem geschichtsträchtigen Haus und den gebrauchten Baumaterialien “weitermachen, ohne den Wert zu mindern”. In rund vier Jahren soll das Haus dann zwei Familien ein Zuhause bieten.

Was im Videobeitrag leider nicht zur Sprache kam ist, dass Johannes Muensch im Co-Working Space der Werkstätte Wattens sitzt. Dort wird gemeinsam mit anderen Machern genetzwerkt und gewerkelt – Ressourcen werden geteilt.

Die Installation im Stadl ist ein Produkt einer Kooperation mit Stephan Wimmer. Es ist seine Interpretation von Raumproduktion, ganz analog von Hand gemacht und ohne Computer, Fräsen oder Roboter. Hier sieht man das auch nur durch Low-Tech und ohne große Budgets sehr interessante Formen entstehen können.

Teil einer Festivalbühne als Deckenelement

© Manuel Gruber / Stereochrome

Gewusst wie: Upcycling kann jeder

So stilvoll und spannend der Begriff Upcycling auch klingen mag, so sehr kann er auch einschüchtern – immerhin stellt man sich angesichts des Eigenheimbaus zu Recht schnell die Frage: Kann ich das überhaupt? Und woher nehme ich die Materialien? Die Antwort ist einfach: Upcycling kann jeder. Die ersten Schritte des upgecycelten Zuhauses macht man am besten mit sogenannten “Ready-made”-Elementen, also Bauteilen, die man 1:1 erneut nutzen kann. Fensterrahmen, Türen, Holzdielen oder ganze Stiegen aus Abrisshäusern können bei Bauteil- und Second-Hand-Baustoffbörsen günstig erworben werden.

Johannes Münsch vor schönem Ausblick aus dem Dachgeschoss

© Julia Wagner / 1000things

Und auch in Sachen Energie kann getrost auf Upcycling gesetzt werden. Besonders empfehlenswert sind hierbei energiesparende Alternativen wie beispielsweise Kachelöfen, deren Kacheln sich ebenfalls in gebrauchtem Zustand befinden. Bereits genutzte Guss-Heizkörper aus Stahl lassen sich verbauen, da diese eine sehr gute Abstrahlwirkung aufweisen. Umweltbewusste sollten auf Wärmepumpen mit Luft oder Wasser setzen, die durch neue Photovoltaik- oder Solartechnik ergänzt werden. So kann auch in Sachen Energie und Heizung der Upcycling-Gedanke optimal in den Eigenheimbau integriert werden.

Nicht alles ist upcycelbar

Wie alles im Leben hat aber auch das Upcycling seine Grenzen – gerade dann, wenn es um die Sicherheit in den eigenen vier Wänden geht. So ist es insbesondere bei Themen wie Wasser, Heizung, Energie oder dem Dachstuhl empfehlenswert, einen Professionisten zu beauftragen. Gerade der Umgang mit Strom oder gefährlichen Werkzeugen wie Schweißgeräten oder Glasschneidern kann bei ungeschulten Personen schnell zu kritischen Situationen führen. Persönlich einbringen kann man sich beim upgecycelten Eigenheim hingegen mit kreativen Gedanken zu gestalterischen Elementen oder upcycelbaren Gegenständen – Experten unterstützen dann in der Umsetzung.

Upcycling ist also ein wunderschönes Zeichen für mehr Nachhaltigkeit und gegen Verschwendung – und das ganz ohne großen Aufwand oder Mehrkosten.

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