Spielerisch lernen beim Garteln

Die Natur ist ein wunderbarer Lehrmeister. Deshalb wird das Garteln mit Kindern nicht nur der ganzen Familie Spaß machen, sondern kann auch wichtige erzieherische Beiträge liefern.

Es ist wohl ein Zeichen unserer Zeit, dass Kinder immer weniger Zeit im Freien verbringen. Computerspiele und das Internet sind leicht und immer verfügbar, der Umgang damit ist heutzutage sogar für die Kleinsten selbstverständlich. Sicher ist allerdings auch, dass die Technisierung in der Kindheit einige Defizite hervorrufen kann, wie etwa beim Verständnis für die Abläufe in der Natur, bei der Freude an der Bewegung und letztlich auch bei der Befriedigung des angeborenen Spieltriebs und der Experimentierfreude.

Hier ist Initiative gefragt, schließlich will niemand in die Situation kommen, einmal erklären zu müssen, dass Obst und Gemüse NICHT im Supermarktregal wachsen. Frühe Gartenerfahrungen werden letztlich auch helfen, den Grundstein für eine spätere gesunde Ernährungsweise zu legen. Der eigene Garten kann jedenfalls ein attraktives Gegenprogramm zu Handy, Tablet & Co. bilden. Aber auch auf einem kleinen Balkon lassen sich bereits spannende und anschauliche Projekte verwirklichen.

Wer es schafft, seinen Nachwuchs für die Gartenarbeit zu begeistern, wird ihm auf spielerische und intuitive Art die Grundlagen für Umweltbewusstsein und das Übernehmen von Verantwortung beibringen. Der natürliche Kontakt mit Käfern, Würmern, Bienen und Ameisen wird den Kindern die Angst vor Insekten nehmen, die Lust an Neuem und das Mitgefühl für andere Lebewesen fördern. Außerdem ist die Arbeit an Gartenprojekten automatisch mit Bewegung verbunden und letztlich werden alle Beteiligten einen Riesenspaß dabei haben.

Erlebnispark vor der Terrassentür

In erster Linie gilt es, die angeborene Neugierde der Kinder zu nützen. Studien haben gezeigt, dass sie ihre Umgebung viel intensiver als Erwachsene – weil mit allen Sinnen – wahrnehmen. Der eigene Garten bietet ein üppiges Angebot an Sinneseindrücken, die viel faszinierender als ein dröges Computerspiel sein werden. Man muss es den Kindern nur näherbringen.

Der Duft von frisch gemähtem Gras. Die Suche nach dem zwitschernden Vogel. Der Geschmack eines Paradeisers, direkt von der Staude gepflückt. Die Karotte frisch aus der Erde gezogen, abgewaschen und gleich verspeist. Das Entdecken eines Regenwurms und dann das Gefühl, ihn zwischen den Fingern zu halten, ist ein riesiges Erlebnis für Kinder. Auch, dass sie keine Angst vor Schmutz haben müssen, ist eine wichtige Erfahrung.

Mädchen und Vater ziehen Karotten aus der Erde

© iStock – 908725974

Der perfekte „Kinder-Garten“

Den besten Erfolg wird man erzielen, wenn man seinen Nachwuchs weder unter- noch überfordert. Allerdings mögen es schon die Allerkleinsten, wenn man ihnen verantwortungsvolle Aufgaben überträgt. Deshalb kann man sie, sobald sie laufen können, an entsprechend warmen Tagen die Blumen gießen lassen. Wichtig ist, dass sie so früh wie möglich lernen, dass das Wohlbefinden und Gedeihen der Pflanzen mit einigem Aufwand verbunden ist, aber auch mit Spaß.

Ab dem Volksschulalter kann man ein Beet anlegen, für das die Kinder selber verantwortlich sind – selbstverständlich unter Mithilfe und Aufsicht von Erwachsenen. Dabei sollte man versuchen, Zusammenhänge aus der Natur zu erklären. Etwa die Aufgabe der Regenwürmer für den Boden oder warum Insekten Blütenpollen transportieren.

Am leichtesten wird man die Kleinen mit sofort konsumierbarem Obst und Gemüse begeistern können. Erdbeeren, Himbeeren, Paradeiser und Gurken liefern nicht nur eine sofortige Erfolgsgarantie, sondern auch ein Geruchs- und Geschmackserlebnis – und das wird wiederum den Ehrgeiz wecken, die Früchte selber anzupflanzen und zu versorgen. Kräuter wie Basilikum, Thymian oder Zitronenmelisse brauchen nicht viel Pflege, duften aber wunderbar und fühlen sich interessant an. Als Geheimtipp gilt der Zierlauch mit seinen prächtigen, lilafarbenen Kugelblüten und dem intensiven Lauchgeruch. Die Sonnenblumen-Sorte Topinambur entwickelt sich zu hochwachsenden Stauden mit prächtigen Blüten, im Spätherbst können die Süßkartoffel Knollen geerntet werden. Aber auch an einem Stück naturbelassener Blumenwiese oder Polsterstauden werden Kinder ihre Freude haben.

Und wenn kein eigener Garten vorhanden ist? Kein Problem, denn in Blumenkästen, Trögen und Pflanzenkübeln lassen sich Karotten, Paradeiser, Kräuter oder sogar Kartoffeln hervorragend ziehen – mit dem Vorteil, dass sich kleinere Töpfe im Ausnahmefall ins Kinderzimmer mitnehmen lassen.

Der naturnahe Spielplatz

Natürlich darf der perfekte „Kinder-Garten“ nicht nur aus Arbeit alleine bestehen. Wer auch hier dem Naturgedanken folgen möchte, dem sei gesagt, dass auch im Spielbereich deutlich mehr möglich ist, als bloß Sandkiste und Schaukel im Baumarkt zu erwerben. Im Grunde geht es darum, Spieltrieb und Abenteuerlust der Kinder anzuregen, und das funktioniert auch ohne vorgefertigte Geräte.

Dazu ist fast alles geeignet, was Wald und Wiese hergeben. Ein Stück gewundener Baumstamm, der in einer Sandmulde mündet, Schotter, Steine, Äste und ja, auch Matsch – Sie werden staunen, was alles in der Fantasie der Kinder zum Spielen geeignet ist.

Eine abwechslungsreiche Gartengestaltung wird den Spaßfaktor für die ganze Familie erhöhen. Geheimnisvoll verwachsene Ecken und Büsche eignen sich hervorragend fürs Verstecken spielen. Die Zweige von Haselnuss oder Holunder (hier sind allerdings die Beeren leicht giftig) geben wunderbares Material für herbstliche Bastelstunden ab. Niveau-Unterschiede werden zum Laufen und Springen anregen und sind im Winter eventuell sogar als Rodelbahn geeignet. Ein Stück Wiese mit zwei im geeigneten Abstand gepflanzten Bäumen ergibt ein natürliches Fußballfeld, das auf jeden Fall Spaß machen wird – auch wenn nicht unbedingt eine Fußballer-Karriere des Nachwuchses angestrebt wird.

Gefahr im Busch

Welche Gefahrenquellen für Kinder im eigenen Garten bestehen können.

Im Garten kann nun einmal mehr passieren als auf der Wohnzimmer- Couch, deshalb ist – zumindest bei den Jüngsten – mehr Aufmerksamkeit notwendig. Auf jeden Fall sollte es vermieden werden, vor Kindern mit Chemikalien wie etwa Düngemitteln zu hantieren, um einen Nachahmungseffekt zu vermeiden. Die Behälter müssen gut verschlossen und außerhalb der Reichweite der Kleinen verstaut werden.

Von Vorteil ist, wenn man alle eventuell vorhandenen giftigen Pflanzen aus dem Garten entfernt bzw. erst gar nicht ansetzt. Dazu gehören unter anderen:

  • Efeu
  • Goldregen
  • Maiglöckchen
  • Fingerhut
  • sowie die beliebten Heckensorten Thuja, Buchsbaum und Eibe.

Im Fall des Falles lässt sich eine Vergiftung gar nicht so einfach erkennen, da die Symptome nicht immer eindeutig auftreten. Typische Erkennungszeichen sind Hautrötungen an den Händen und im Mundbereich, aber auch Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder Fieber.

Das Gartenwerkzeug sollte jeweils altersgerecht sein. Die ganz Kleinen könnten sich noch an scharfen Kanten und Spitzen verletzen. Die etwas Größeren werden aber schnell die Freude verlieren, wenn sie bemerken, dass sie mit ihren Geräten nichts weiterbringen. Grundsätzlich lassen sich die Gefahren im Garten mit der ohnehin notwendigen Aufsicht und entsprechenden Erklärungen gut minimieren. Deshalb sollten sich auch besorgte Eltern nicht vom Erlebnisspielplatz Garten abschrecken lassen. Ihr Kind wird wertvolle Erfahrungen und Eindrücke mitnehmen, die für das weitere Leben durchaus von Vorteil sind.

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