Entschleunigung in den eigenen vier Wänden

Slow Living heißt ein neuer Einrichtungstrend. Er beugt sich aber keiner Mode, sondern will unser Zuhause zu einem Ort der Ruhe machen. Wer ihn mitmachen will, muss bereit sein, auszumisten und vieles loszulassen.

Nach Hause kommen und die Tür ins Schloss ziehen. Eintauchen in Ruhe und den Stress und die Hektik des Alltags einfach aussperren. Das ist es, was wir uns von unserem Heim erwarten: Es soll ein Ort sein, an dem wir uns entspannen können. Was so selbstverständlich klingt, ist aber nicht immer Realität. Auch unser Zuhause kann uns überfordern – aus verschiedenen Gründen. Und genau hier hakt ein neuer Wohntrend ein, der sich Slow Living nennt.

Gemütlichkeit steht bei den aus den nordischen Ländern stammenden Konzepten Hygge und Lagom an oberster Stelle. Das verfolgt Slow Living auch, aber in einer etwas radikaleren Art. Denn die gesuchte Entschleunigung zu Hause, so der Ansatz, kann nur entstehen, wenn der Geist zu Ruhe kommt. Was die Einrichtung dazu beitragen kann, ist leicht erklärt. Die Wohnung sollte klare Strukturen aufweisen, auf das Wesentliche reduziert sein und so den Rahmen zur Entspannung schaffen.

Auf das Wesentliche besinnen

Es sind die klaren Strukturen, die den meisten Menschen Probleme bereiten. Oft werden einem Raum viele verschiedene Funktionen zugemessen. So wird im Wohnzimmer eben auch gearbeitet oder im Schlafzimmer ferngesehen. Slow Living sieht vor, jedem Zimmer eine Aufgabe zu geben. Diese – und nur diese – soll der Raum dann auch erfüllen. Um beim Beispiel Schlafzimmer zu bleiben: In diesem Raum werden die Möbel und die Wohnaccessoires ausschließlich dafür gewählt. Die Beleuchtung kann also ruhig wärmer sein, die Farben dezenter, das Bett steht im Mittelpunkt und der Raum wird zu einer technikfreien Zone. Slow Living – und das ist der erwähnte radikalere Ansatz – sieht dabei durchaus vor, sich von Ballast zu trennen. Alles Überflüssige wird entsorgt. Gehen wir wieder zum Beispiel Schlafzimmer: Bücherstapel am Nachttisch gehören weg, Nippes ebenfalls. So können das Auge und auch der Geist besser zu Ruhe kommen. Slow Living sieht vor, sich wirklich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Slow living Schlafzimmer mit zentralem Bett und ohne viel Schnickschnack

© iStock – 637327310

Spiegelbild unseres Lebens

Was Slow Living aber keinesfalls verfolgt – und da geht es mit den Wohnkonzepten Hygge und Lagom wieder Hand in Hand – ist Minimalismus, der unser Zuhause kalt und unpersönlich erscheinen lässt. Denn der neue Wohntrend will ja Gemütlichkeit in unseren vier Wänden forcieren. Aber jedes Möbelstück, jedes Accessoire soll ganz bewusst gewählt sein und eine Geschichte erzählen können. Die Dinge, die in unserem Heim Platz finden, müssen uns glücklich machen. Slow Living beginnt also mit dem großen Ausmisten: Alles, was die klaren Wohnstrukturen stört, für Chaos in einer Ecke sorgt, wird entsorgt. Ziergegenstände, die einem nichts bedeuten und nur Staubfänger sind, dürfen ausziehen. Es bleibt nur, was ein wichtiger Teil unseres Lebens ist und unseren Strukturen entspricht. Die reduzierte Einrichtung wird so zu einem Spiegelbild unseres Lebens. Es braucht nicht viele Dinge in unserem Zuhause, nur wirklich Wichtiges, um richtig anzukommen.

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