Wohnwagon: Autarkes Zuhause auf Rädern

Ein Haus ohne Fixkosten, Stromrechnungen und Umweltbelastungen? Dafür vollste Flexibilität, erneuerbare Energie und ein gesundes Wohnklima: Das bieten die Wohnwagons, die autarken Häuser auf kleinem Raum.

Auf der Suche nach einem weiteren zukunftsträchtigen Wohnkonzept haben wir Theresa Mai (vormals Steininger) in ihrem Unternehmen Wohnwagon im niederösterreichischen Gutenstein besucht. Sie gründete im Jahr 2013 Wohnwagon und konzipierte eine umweltfreundliche sowie autarke Alternative zum herkömmlichen Wohnen.

Völlig autark, völlig unabhängig

Die Gründerin von Wohnwagon, Theresa Mai, als Pionierin des autarken und flexiblen Wohnens. Aus Unmut über die verschwenderische Wegwerfkultur der Baubranche suchte sie nach einer umweltfreundlichen und gesunden Alternative. So konzipierte sie mit ihrem Team einen Anhänger, der ein ganzes Zuhause beinhaltet. Und das völlig autark – ohne Wasser- und Abwasseranschlüsse sowie ohne externe Energieversorgung. Autarkes Wohnen bezeichnet in erster Linie das selbstversorgende Leben. Damit ist vor allem gemeint, dass sich das Haus selbst mit Energie versorgt und keinen Schaden an der Umwelt verursacht.

Theresa Steininger und Samantha Steppan im Gespräch zum Thema Autarkes Wohnen

© Manuel Gruber / Stereochrome

In einem der Wohnwagons zu leben bedeutet auch, einen großen Schritt in Richtung Freiheit sowie Flexibilität zu gehen.

Author's imageTheresa MaiGeschäftsführerin Wohnwagon

Zudem liegen bei der Entscheidung, unabhängig leben zu wollen, die Überlegungen zu Grunde, was man tatsächlich zum Leben benötigt und wie man Ressourcen sparen könnte. Die großen Vorteile des autarken Wohnens: Es fallen keine Fixkosten an und man benötigt zum Heizen maximal drei Meter Holz im Jahr. Zudem kann das Regenwasser für den hauseigenen Wasserbedarf herangezogen werden und sogar das Abwasser wird selbst gereinigt und gefiltert. Das Highlight des Wohnwagons: Die Toiletten, die weder über einen Wasseranschluss noch über Abflüsse verfügen. Ein eigens kreierter Mix aus Pflanzenkohle, Biofaser und Steinmehl sorgt dafür, dass der Geruch gebunden wird und natürlicher Kompost entsteht.

Mobiles Leben mit den Wohnwagons

Dank einem voll funktionsfähigen Anhänger als Basis kann der Wohnwagon mit einem Lkw gezogen werden. Gebrauchte Containerfahrgestelle machen den Transport möglich, denn so wird das Haus mit einer sogenannten Twist-Lock-Verbindung, einem gängigen Container-Befestigungssystem, im Anhänger verankert. Der Wohnwagon kann mit bis zu 80 km/h völlig sicher und gemäß der Straßenverkehrsordnung – beispielsweise mit einem von Wohnwagon ausgeliehenen UNIMOG-Fahrzeug transportiert werden. Grundsätzlich ist zu beachten, dass Wohnwagons auf Bauland stehen müssen und einer baurechtlichen Einreichung bedürfen. Das klingt komplizierter als es ist: Denn alle Wohnwagons werden baurechtlich einreichfähig konzipiert und erbaut.

Ein Wohnwagon in freier Wildbahn

© Manuel Gruber / Stereochrome

Wer auf Nachhaltigkeit und Autarkie setzt, muss nicht auf ein smartes Zuhause verzichten: So bieten die Wohnwagons zentrale Steuerungselemente, die optimale Energiewechselwirkungen und einen vollen Überblick über alle Verbräuche ermöglichen. Damit ist beispielsweise die Waschmaschine im Wohnwagon direkt mit der Warmwasseraufbereitung verbunden und rund 80 Prozent des Stromverbrauchs, die für das Warmwasser benötigt werden, können eingespart werden. Ein WLAN-Router und eine leistungsstarke Internetverbindung sorgen dafür, dass die Energieflüsse im Wohnwagon auch aus der Ferne eingesehen und gesteuert werden können.

Naturbaustoffe für ein gesundes Raumklima

Die Wohnwagons werden allesamt aus Massivholz erbaut. Dieser natürliche Baustoff ist bewusst gewählt – immerhin dient er als natürlicher Hitze- und Kälteschutz. Als natürliches Dämmmaterial wird Schafwolle eingesetzt. Das ist nicht nur gut fürs Raumklima, sondern filtert außerdem Schadstoffe aus der Luft und reguliert die Luftfeuchtigkeit automatisch. Besonders elegant sind die Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Wohnwagons, die dank zusätzlicher Speicherbatterien genug Energie produzieren können, um problemlos über den Winter oder längere Phasen ohne Sonnenschein zu kommen.

Einblick in die Wohnwagon-Werkstatt

© Julia Wagner / 1000things

In jeder Größe und individuell erweiterbar

Die Wohnwagons sind aufgrund der fixen Anhängermaße auf 2,5 Meter Breite begrenzt. In der Länge jedoch gibt es die Möglichkeit, zwischen sechs und zehn Metern zu wählen. Die größte Wohnwagon-Variante verfügt zudem über einen ausziehbaren Erker, der dem mobilen Zuhause noch mehr Platz beschert. Aber nicht nur in räumlicher Hinsicht auch in Sachen Autarkie lassen sich die mobilen Häuser erweitern. So können auch im Nachhinein Systeme für die Abwasserentsorgung, Photovoltaik oder zum Heizen installiert werden. Die Kosten eines Wohnwagons belaufen sich – je nach Größe und Ausstattung – auf zwischen 100.000 und 200.000 Euro. In Zukunft sollen aber nicht nur mobile Häuser auf Anhängern erbaut werden: Auch an Plänen für autarke, umweltfreundliche Familienhäusern wird aktuell bei Wohnwagon gefeilt.

 

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10 Kommentare

    • Unterschiedliche Wohnwagon-Modelle kann man z.B. in Gutenstein oder in Wagram ob der Traisen (beide NÖ) besichtigen bzw. sogar probewohnen. Sind recht beliebt und gut gebucht 🙂
      Alle Infos findet man unter wohnwagon.at
      LG Holz8

    • Die Kosten für einen Wohnwagon liegen je nach Ausstattung zw. EUR 100.000,- und EUR 200.000,-. Eine Preisliste kann man unter wohnwagon.at anfordern.
      LG, holz8

  1. Würde gerne den preis für so ein tinyhaus kennen.
    Schon mal darüber nachgedacht, den super recyclingstoff korkgranulat als isolation zu verwenden?

    • Unterschiedliche Wohnwagon-Modelle kann man z.B. in Gutenstein oder in Wagram ob der Traisen (beide NÖ) besichtigen bzw. sogar probewohnen. Sind recht beliebt und gut gebucht 🙂
      Alle Infos findet man unter wohnwagon.at
      LG Holz8

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