Gut Holz

Längst haben uns moderne Technologien von der Notwendigkeit befreit, Holz zur Sicherung des winterlichen Überlebens zu verheizen. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der die Beschäftigung mit Holz Freude bereiten darf.

Dass Holz in offenen Feuerstellen wenig effizient verbrennt, war schon früh bekannt, aber es gab noch keine Alternativen. Zwar waren Vorläufer der Kachelöfen seit dem 14. Jahrhundert in Verwendung, aber sie waren dem Adel vorbehalten. Erst im Jahr 1767, als Schweden aufgrund allzu massiven Holzverbrauchs vor einer veritablen Energiekrise stand, erfanden der Architekt Carl Johan Cronenstedt und General Fabian Wrede den Kachelofen, wie wir ihn heute kennen und schätzen.

Cronenstedt und Wrede standen übrigens im königlichen Auftrag, und mit dem Erfolg war es erstmals möglich, Wärme stundenlang zu speichern und langsam an die Raumluft abzugeben.

Inzwischen hat beim Heizen eine Menge Fortschritt gegriffen, und bei der Wärmedämmung obendrein. Moderne Zentralheizungen im Verbund mit Niedrigenergie- oder Passivhäusern lassen das Heizen zur Beiläufigkeit schrumpfen: Moderne Häuser benötigen kaum noch Heizenergie, und was sie brauchen, liefert die Haustechnik automatisch gesteuert.

Doch damit ging etwas verloren. Die Beschäftigung mit Holz kann durchaus viel und innige Freude bereiten. Wer diese Begeisterung geballt erfahren möchte, findet sie in einem Buch ausgebreitet: „Der Mann und das Holz. Vom Fällen, Hacken und Feuermachen“, verfasst vom Norweger Lars Mytting.

Natürlich waren auch bei der Renaissance des Heizens mit Holz die skandinavischen Länder zuerst dran – in Schweden, beispielsweise, erreichte der Holzverbrauch im Jahr 1976 einen Tiefstand, seither steigt er wieder an. Befürchtungen, dass der aktuelle Holzverbrauch die Wälder gefährlich dezimieren könnte, sind unbegründet: In Norwegen beispielsweise werden pro Jahr nur 12 Prozent jener Holzmenge verheizt, die nachwächst. Und auch in Österreich steigt die Waldfläche seit Jahrzehnten kontinuierlich.

Wald mit Hochstand

© Unsplash – 18335 – Nicolai Durbaum

Überhaupt sind Befürchtungen beim Heizen mit Holz (fast) unangebracht, denn die Vorteile überwiegen deutlich, und sie sind längst nicht nur in Euro und Cent zu messen. Ein paar Beispiele?

  • Der Wohlfühl-Faktor ist bei Holz konkurrenzlos hoch. Ein Ofen gibt deutlich mehr Wärme ab als ein Heizkörper und fühlt sich dabei viel wohliger an. Es wirkt viel bodenständiger und ehrlicher mit seinem beruhigenden Anblick der Flammen und dem würzigen Duft der knisternden Scheite. Außerdem geht die Wärme mit dem Duft von Holz einher, und mit dem beruhigenden Anblick der Flammen. Ein Heizkörper hingegen, erwärmt bloß die Raumluft, und durch die Luftzirkulation kann sogar Staub aufgewirbelt werden.
  • Ein Holzstapel gibt beruhigende Sicherheit, in kargen Zeiten oder bei einem längeren Stromausfall nicht ohne Heizwärme ausharren zu müssen. Keine andere Vorsorgeform strahlt plakativ so viel Beruhigung aus wie ein großer Holzstoß vor dem Fenster oder im Schuppen.
  • Die zur Holzgewinnung nötigen Geräte haben während der letzten Jahrzehnte unglaubliche Fortschritte gemacht. Was einst schwerste körperliche Arbeit war, geschieht heute dank Kettensägen, Holzspaltgeräten und motorisierter Transportmittel (ein Auto und ein kleiner Anhänger reichen) vergleichsweise kräftesparend. Von mühelos kann freilich noch nicht gesprochen werden, aber wer gerne ein wenig mehr körperliche Aktivität als Ausgleich zum sitzend absolvierten Bürojob investieren möchte, kann statt ins Fitnesscenter zu gehen ja wie einst das Holz selber mit der Axt spalten.
Axt am Holzstumpf

© Unsplash – 1243023 – Jason Abdilla

  • Holz braucht nur eine simple Infrastruktur, um vom Wald in den Ofen zu gelangen. Es legt kurze Wege zurück und ist auch ohne Leitungen stets beweglich. Man kann einander auch gegenseitig damit aushelfen, und die Öfen halten eine Ewigkeit. Holz ist der einzige Brennstoff, der lokal gewonnen werden kann. Selbst Pellets müssen hergestellt werden, benötigen also eine Produktionsstätte in der etwas weiteren Umgebung. Öl und Gas kommen überhaupt aus sehr fernen Gebieten.
  • Holz verbrennt CO2-neutral. Es hat jenes CO2 gebunden, das der Baum während seines Wachstums aus der Umgebung entnommen hat. Beim Verbrennen wird es wieder freigesetzt. Wird immer nur so viel Holz verbrannt, wie wieder nachwächst, dann bleibt die Bilanz absolut neutral. Übrigens würde die gleiche Menge CO2 auch freigesetzt, wenn der Baum nach dem natürlichen Absterben im Wald einfach verrotten würde.

Natürlich ist das Verheizen von Brennholz nicht völlig unproblematisch. Feinstaubbelastung oder Rauchentwicklung müssen in eine ehrliche Gesamtbilanz einfließen. Derlei Belästigungen passieren allerdings nur mit veralteten Öfen und ungeeignetem Brennholz. In Kürze gesagt: Enthält das Holz noch zu viel Feuchtigkeit, ist es gar lackiert oder beschichtet, wird der Ofen unsachgemäß betrieben, dann sind die Schadstoffemissionen deutlich höher.

Moderne, mit hochwertigem Brennholz betriebene Öfen emittieren weniger als fünf Prozent der Schadstoffe, die mit einem veralteten, falsch betriebenen Ofen entstünden. In Österreich sind Kamin- und Kachelöfen als zusätzliche Heizquelle, beispielsweise für die Übergangszeit, seit einigen Jahren äußerst beliebt.

Natürlich kann man das dafür nötige Holz schon fertig getrocknet und zerkleinert bei Brennstoffhändlern oder im Baumarkt erwerben – noch mehr Freude bereitet es, gefällte Bäume zu kaufen und das Brennholz für den Winter selbst herzustellen. (Das Fällen selbst sollte man wohl eher den Waldbesitzern überlassen.)

Neben einem Lagerfeuer im Wald liegt eine Axt

© Unsplash – 1164332 – Elvis Bekmanis

Schon Henry David Thoreau merkte in seinem Klassiker „Walden“ 1854 an, dass Brennholz zweimal wärme: zuerst beim Bereiten, dann beim Verheizen. Beim Bereiten von Brennholz wärmt es übrigens mehr als einmal, denn das Holz muss in mehreren Schritten zerkleinert und danach öfters umgeschlichtet werden, dazu später.

Wichtig für das Fällen und Zerkleinern eines Baumes ist eine Motorsäge, entweder benzinbetrieben oder bei möglicher Lärmbelästigung von Nachbarn mit Elektroantrieb. Genauso wichtig aber sind das korrekte und stete Schärfen der Kette bzw. des Schneidblattes – und natürlich die richtige Schutzbekleidung: Eine Holzfällerhose mit stark ausfransendem Futter bremst die Sägekette, bevor sie das Bein erreicht, der Helm mit Schutzschild und Nackenschutz verhindert Verletzungen durch Holzstücke und Späne, die Stiefel mit Stahlkappen sorgen für unverletzte Füße. Bevorzugte Fällsaison sind der späte Winter und das noch junge Frühjahr, da bleibt noch ausreichend Zeit zum Trocknen und das Holz enthält auch noch weniger Feuchtigkeit als knapp vor dem Austreiben. Gefällte Bäume sollten schnell verarbeitet werden, sonst setzen sich Pilze und Schimmel fest und um die Fasern wird durch Bakterien ein Film gebildet, der die Trocknung deutlich behindert: Liegen Bäume zu lange gefällt im Wald, dann wird ihr Holz nie mehr so trocken wie optimal verarbeitetes. Die Spaltung selbst ist eine kleine Wissenschaft, die Trocknung eine große: Das Holz muss vor Niederschlägen geschützt sein, der Wind aber muss durch den Stapel durchstreichen können, um die Feuchtigkeit abzutransportieren, und das unweigerliche Schrumpfen des Holzes darf den Stapel nicht destabilisieren. Für die Dichte des Schlichtens gilt eine einfache Faustregel: Eine Maus soll zwischen den Holzscheiten hindurch passen, aber wenn die Katze hinterherjagen kann, ist die Schlichtung zu locker.

Eine ganz schlechte Idee wäre es, das gespaltene Holz einfach im Garten zur Trocknung liegen zu lassen. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, die Wäsche als Knäuel ins Gras zu werfen. Die Form des Stapels verrät übrigens viel über den Charakter der stapelnden Person. So war es einst in Skandinavien durchaus üblich, potenzielle Ehemänner nach der Form ihres Holzstapels zu beurteilen. Ein Stapel von ungewöhnlicher Form wies auf einen offenherzigen Freidenker mit möglichen Schwächen, während ein eingestürzter Stapel seinem Besitzer Entscheidungsschwäche und einen schwachen Willen attestierte. Wer für seinen Stapel eine ganz ungewöhnliche Form anstrebt, schlichtet ihn zum Kunstwerk auf, etwa zu einem Fisch oder dem Portrait einer berühmten Person – gibt’s alles, man glaubt es nicht. Hölzer von unterschiedlicher Färbung helfen bei der Gestaltung.

Für die endgültige Lagerung sind Durchlüftung und Trockenheit ebenfalls essenziell – feuchte Kellerräume und dichte Garagen scheiden also aus. Ideal sind geschützte Winkel unter Dachvorsprüngen oder ein Schuppen mit verschiebbaren Wänden, die nach Bedarf geöffnet werden können.

So ist das Holz immer bereit, um während der kalten Zeit ins Haus geholt zu werden, wobei auch dieses Holzholen zu den Momenten mit höchster Erlebnisdichte zählt: Für einen kurzen Moment muss man raus in die Kälte, den Unbilden des Klimas trotzen, um hernach auf zweifache Art Wärme zu verspüren: Beim Betreten des Hauses und kurz danach beim Aufflackern des Feuers.

Kaminfeuer mit Holz

© Unsplash – 625656 – Headway

Auch wer sein Brennholz nicht selbst bereitet, findet im Buch über das Verhältnis von Männern und Holz Tipps, die beim Holzkauf, bei der Lagerung und Verbrennung essenziell sind. So erfährt man beispielsweise, dass Trocknungsrisse beim Brennholz (keinesfalls aber beim Bauholz) ein Qualitätsmerkmal sind, dass sie aber längst nicht alles über den Trocknungsgrad aussagen; dass man bei gekauftem Brennholz recht leicht erkennen kann, ob es wirklich trocken ist; welche Holzarten für welchen Heizzweck am besten geeignet sind, wobei natürlich das lokale Holzvorkommen berücksichtigt werden sollte – und wie das moderne Leben die Bauweise von Öfen beeinflusst hat: Sie sind jetzt kleiner wegen der besseren Wärmedämmung der Häuser, und oft legen sie das Brennmaterial schon selbst nach, weil tagsüber niemand daheim ist. Viel spricht dafür, zumindest diesen Schritt auch als eifriger Holzbereiter gerne aus der Hand zu geben.

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