„Heißes Wasser, Handys am Spielplatz“

Dipl.-Ing. Christian Kräutler, Leiter des Bereichs Haushalts-, Freizeit- und Sportsicherheit beim Kuratorium für Verkehrssicherheit gibt einen Überblick über die wichtigsten Kindersicherheits-Maßnahmen im Haushalt. Und nennt die eine oder andere Gefahr, die man gelegentlich übersieht.

Wo passieren Kleinkindern die meisten Unfälle?

Dipl.-Ing. Christian Kräutler: 85 % aller Unfälle mit Kleinkindern passieren im Eigenheim inklusive Garten. Österreichweit müssen jährlich rund 123.500 Kinder unter 14 Jahren nach Unfällen in Spitälern oder Ambulanzen behandelt werden. Rund 25 Unfälle davon enden für Kinder tödlich. Der gefährlichste Ort ist für Kleinkinder das Wohnzimmer, später kommen Garten und Spielplatz dazu. Die Todesgefahren sind vor allem Ertrinken und Sturz vom Fenster oder Balkon. Eine oft unterschätzte Gefahr sind Verbrühungen. Also: Vorsicht beim Kochen – und sei es nur eine Tasse Tee – denn Kochwasser ist für Kinderhaut deutlich schädlicher als für Erwachsene. Verbrühungen können im schlimmsten Fall zum Tod führen. Eine weitere Gefahr, die leider oft nicht erkannt wird, sind Badewannen. Wenn ein Kleinkind in der Badewanne ausrutscht, kann es ertrinken.

Der gefährlichste Ort ist das Wohnzimmer.

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Was müssen Eltern alles tun, um die gesamte Wohnung auf höchste Kleinkind-Sicherheitsstandards zu bringen?

Dipl.-Ing. Christian Kräutler: Die Liste an Maßnahmen ist lang und beginnt beim Wickeltisch. Dieser sollte möglichst breit und mit einer Absturzsicherung ausgestattet sein. Als nächster Schritt muss alles gesichert werden, was sich in Augenhöhe von krabbelnden Babys befindet. Kindersicherungen für Steckdosen sind ebenso notwendig wie ein Stiegengitter beim Auf- und Abgang. Sämtliche Chemikalien und vor allem Pharmazeutika müssen in oberen Schränken untergebracht oder in einem Kasten mit Kindersicherung weggesperrt sein. Vasen und Pflanzen sollten besser nicht am Boden stehen.

Das nächste Thema sind Betten und Möbel. Kinderbetten benötigen ein Gitter mit höchstens 10 cm Abstand zwischen den Sprossen. Wenn das Baby bei den Eltern schläft, ist ebenso ein Bettschutzgitter notwendig, da sich Babys manchmal im Schlaf wenden. Stockbetten sind für Kleinkinder gar nicht geeignet. Bei sämtlichen Glasmöbeln sollte man darauf achten, dass sie aus bruchsicherem Glas bestehen – oder die notwendigen Sicherungsmaßnahmen anbringen. Babys und Kleinkinder nehmen Glas oft gar nicht wahr und können sich an Tischen, Türen oder Vitrinen schwer verletzen. Möbel, die zum Klettern anregen, wie beispielsweise Bücherregale, sollten an der Wand festgeschraubt werden. In der Küche benötigt man Schutzeinrichtungen für Herd und Backrohr sowie für sämtliche Laden in denen Besteck – vor allem Messer – untergebracht sind. Fenster sollten versperrt sein und nur gekippt werden. Den Balkon dürfen Kleinkinder niemals ohne Aufsicht betreten.

Neben dem eigenen Wohnbereich muss man auch die unmittelbare Wohnumgebung kritisch betrachten. Ein Swimmingpool in Nachbars Garten kann auch eine große Gefahr darstellen, wenn nicht entweder ein mindestens 1,1 Meter hoher Zaun oder eine begehbare Abdeckplane vorhanden sind.

Wie erklärt man einem Kleinkind diese vielen Gefahren?

Dipl.-Ing. Christian Kräutler: Erziehungsberechtigte sehen sich laufend mit der schwierigen Herausforderung konfrontiert, einerseits Gefahren zu vermeiden, andererseits aber ihre Sprösslinge in der motorischen Entwicklung zu fördern. Oft lernen Kinder aus dem eigenen Schaden – das ist normal und wichtig. Bei der Prävention von großen Gefahren dürfen Eltern allerdings keine Kompromisse eingehen und müssen den Sicherheitsgedanken priorisieren.

Babys und Kleinkinder können Glas oft nicht wahrnehmen.

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Welche Gefahren kommen später bei älteren Kindern dazu?

Dipl.-Ing. Christian Kräutler: Das Handy: Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass sie beim Spazieren gehen, am Rad oder Tretroller sowie beim Turnen am Spielplatz das Handy wegstecken – weil sie sonst enorm abgelenkt werden. Hier ist die Vorbildfunktion der Eltern tragend. Im Schwimmbad sinkt mit dem Alter zwar die Gefahr des Ertrinkens, allerdings passieren älteren Kindern ab 10 Jahren häufig Unfälle bei Randsprüngen.

Welche Gefahren verstecken sich im Garten und auf Spielplätzen? Ab wann kann man Kinder unbeaufsichtigt spielen lassen?

Garten und Spielplätze sind für das Wohlbefinden und die motorische Entwicklung der Kinder enorm wichtig. Stürze oder Unfälle mit „kleinen Wehwehchen“ kann man hier nie ganz vermeiden. Dennoch müssen Eltern die einzelnen Spieleinrichtungen kritisch nach Gefahren untersuchen. Ist der Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Schaukeln ausreichend und das Gerüst stabil? Welcher Boden befindet sich unter dem Klettergerüst – kann man eventuell eine Absturzmatte anbringen? Ist das Trampolin von einem stabilen, fest montierten Netz umgeben? Und vor allem: Wie gut ist der Spielplatz von der nächsten Straße getrennt?

Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze, bis zu der Kinder auf Spielplätzen zu beaufsichtigen sind. Zur elterlichen Fürsorgepflicht zählt es aber sicherlich, die Aufsichtsverantwortung an das Gefahrenpotenzial der Spieleinrichtung sowie Alter und Reife des Kindes anzupassen.

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