“Holz erlebt ein Comeback”

Caroline Palfy steht kurz davor, ihre Vision des bisher weltweit größten Hochhauses aus Holz zu realisieren. Von welchen Vorzügen die Gäste der hölzernen Fitnessräume, Büros und Apartments ab Jänner 2019 profitieren werden und wie hoch die Öko- und Sicherheits-Standards im HoHo Wien sind, verrät sie im Interview mit der Raiffeisen Bausparkasse.

3D-Rundgang Musterbüro HoHo Wien

hohowien.visitour.at

© cetus Baudevelopment GmbH und Daniel Steinauer www.visitour.at

 

Was ist an Holz vorteilhaft aus Sicht der Benützer der Büro- und Freizeitflächen?

Caroline Palfy: Die Gewerbeflächen im HoHo Wien sind weltweit einzigartig: Die Wände und Decken bestehen aus naturbelassenem Fichtenholz. Der typische Holzgeruch strömt daher in alle Räume und erzeugt ein einzigartiges Raumklima. Die Holzatmosphäre wirkt nachweislich positiv auf Lebensqualität, die persönliche Empfindung und Gesundheit.

Was lief bei der Planung des HoHo Wien anders als bei herkömmlichen Bauprojekten?

Caroline Palfy: Die heimischen Bauvorschriften sind streng und das ist gut so. Vier Monate dauerte die Prüfung aller Risiken, immer in enger Abstimmung des Kernteams mit den Behörden. Die Anforderungen hinsichtlich Schallschutz, Brandschutz und Robustheit, aber auch Wirtschaftlichkeit sind enorm – wobei uns vor allem der Brandschutz beschäftigt.

Wie gehen Sie mit dem Thema Brandschutz um?

Caroline Palfy: Für Holz als brennbaren Baustoff gelten strengere Brandschutzvorschriften als für Stahl oder Beton. Die Brandlast ist bei Holzgebäuden zwar eine höhere, da die Tragstruktur zu brennen beginnt, aber: Holz ist deswegen nicht unsicherer! Im Brandfall entsteht bei Holzgebäuden eine Oxidationsschicht, die den Brandvorgang verzögert. Stahl ist zwar nicht brennbar, aber es verliert unter Hitzeeinfluss seine Festigkeit schlagartig, auch in Stahlbetonträgern. Der erste behördliche Brandschutztest im Frühjahr 2016 hat alle überrascht! Unsere Holzkonstruktion ist top!

Welche Technik wird bei der Konstruktion des HoHo eingesetzt?

Caroline Palfy: Das bewusst „einfache“ System des HoHo Wien verwendet die Stapelung vier vorgefertigter, serieller Bauelemente: Stützen, Unterzug, Deckenplatten und Fassadenelemente. Die Systemknoten – kurz gesagt die Anschlüsse von Decke und Wand – werden wie in einem Baukastensystem passgenau zusammengefügt.

Holzturm Aspern

© cetus Baudevelopment GmbH

Ist es kostenintensiver, ein Hochhaus aus Holz zu bauen, als aus Beton?

Caroline Palfy: Das HoHo Wien ist hinsichtlich Zeit- und Kostenaufwand nur schwer mit anderen Gebäuden vergleichbar. Das Projekt kostet rund zehn Prozent mehr als Projekte in konventioneller Bauweise, die kürzere Bauzeit könnte den höheren Aufwand jedoch kompensieren.

Wird das HoHo in Wien noch lange ein Unikat bleiben? Oder sehen Sie einen Trend zu großvolumigen Holzbauten?

Caroline Palfy: Großstädte wie Paris, London oder Vancouver folgen bereits dem Trend, Holz verstärkt als gleichwertigen Baustoff im urbanen Raum zu nutzen. Holz erlebt jetzt plötzlich eine Art „Comeback“.

    Bei Raiffeisen spielt das Thema Nachhaltigkeit eine sehr wichtige Rolle. Wie gut schneidet das HoHo Wien bei Nachhaltigkeitskriterien ab?

    Caroline Palfy: Für die hohen ökologischen Standards wird dem HoHo Wien die internationale LEED-Zertifizierung (Leadership in Energy and Environmental Design) verliehen. Das gesamte Fichtenholz stammt aus Österreich und wächst sehr rasch wieder nach, wie folgende Rechnung verdeutlicht:

    In Österreich wachsen jährlich 30 Millionen Kubikmeter Holz, also ein Kubikmeter pro Sekunde. Somit sind die 3.600 Kubikmeter Fichtenholz für das gesamte HoHo Wien in nur einer Stunde und 17 Minuten in heimischen Wäldern nachgewachsen.

    Die Holzbauweise spart gegenüber einer Ausführung in Stahlbeton rund 2.800 Tonnen CO2-Äquivalente und 300.000 Megawattstunden Primärenergie ein. Das entspricht ca. 20 Millionen PKW-Kilometer sowie der Menge an Energie, welche für das Heizen eines Wohnhauses mit 32 Wohneinheiten in 1.100 Jahren erforderlich ist.

    Luftbild Seestadt Aspern

    © Christoph Bauer

     

    HoHo Wien

    Das HoHo Wien in der Seestadt Aspern soll mit 24 Stockwerken, 84 Metern Höhe und einer Mietfläche von 19.500 Quadratmetern das weltweit größte Holzhochhaus werden. Der äußere Holzanteil wird ab dem Erdgeschoss bei 75 Prozent liegen. Neben Büros beinhaltet das Gebäude ein Hotel, Fitnessstudio, Restaurants und Apartments. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen.

     


     

    Caroline Palfy – Kerbler Holding

    Absolvierte 2013 die Baumeisterprüfung und verantwortet seitdem den Bereich Baumanagement innerhalb der Kerbler Gruppe. Als Geschäftsführerin der Entwicklungsgesellschaften der Aspern Seestadt Baufelder konzipiert sie federführend das weltweit erste 24-geschossige – vor der Realisierung stehende – Hochhaus in partieller Holzbauweise.

     

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